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Können die Künste unserer Vergnügungssucht positiv entgegenwirken?

Meldung vom: 19.06.2017

Laut einer Veröffentlichung der City, University of London, könnten die Künste und Aktivitäten wie Malerei und Tanz potenziell dazu beitragen, die Vergnügungssucht der Gesellschaft zu stillen und uns zu einem besseren und gesünderen Wahlverhalten animieren.

Der Fachbeitrag, der in der „Proceedings of the Royal Society B“ veröffentlicht wurde, gibt jüngste Hinweise darauf, dass die Künste – oft kaum mehr als lohnende Aktivitäten angesehen – ein breites Netzwerk aus Neuronen anregen und potenziell den schädlichen Einfluss von Aktivitäten entgegenwirken können, die uns nur einen „Vergnügungskick“ verschaffen.

Dr. Julia F. Christensen, von dem Forschungsteam „Kognitive Neurowissenschaften“ im Fachbereich Psychologie an der City, University of London, und Autor des Papers, sagt:

"Die heutige Gesellschaft ist vergnügungssüchtig. Wir erwarten schnell und einfach angenehme Erlebnisse zu bekommen. Wir sind an extrem schmackhafte Speisen und Getränke gewöhnt und wann immer wir wollen, können wir Pornografie, Spiele und Gadgets bekommen. Das Problem ist, dass wir uns mit dieser Art von vergnügungssteigernden Wahlverhalten in sinnlose Vergnügungsjunkies verwandeln und unseren freien Willen an die nächste Dopamin-Dosis übergeben, da wir Aktivitäten priorisieren, die wie zum Beispiel Junk-Food keine tiefere Bedeutung oder keinen ernährungsbezogenen Mehrwert bieten. Aber die jüngsten Hinweise deuten darauf hin, dass die Künste dem entgegenwirken können."

In zunehmendem Maße zeigt die Forschung, dass ein Überschuss an „Vergnügung-pur-Aktivitäten“ negative Auswirkungen auf unsere Gesundheit haben könnten, da sie eine Veränderung der neuronalen Mechanismen hervorrufen, die den Entscheidungen zugrunde liegen, die wir in unserem Leben machen. Die wissenschaftlichen Beweise zeigen, dass Drogenabhängigkeit und Verhaltensabhängigkeit dieselben neuronalen Netze nutzen, so dass uns "Vergnügung-pur-Aktivitäten“ effektiv zu "Vergnügungsjunkies" machen.

Auf diese Weise haben viele der heutigen „einfachen Freuden“ das Potenzial Verhaltensabhängigkeiten zu schaffen. Aktivitäten, die Verhaltensabhängigkeiten verursachen können, sind Smartphone Social Media App Nutzung (wir sind auf das Benachrichtigungssymbol fixiert und "hab ich ein neues „Gefällt-mir“ erhalten?"), Glücksspiel ('Beim nächsten Spiel werde ich sicher gewinnen!“), Sport, Pornografie, extrem schmackhafte Lebensmittel, Spiele und das Internet.

Dies kann zu einem Wahlverhalten führen, welches auf kurzfristigen Lust-Maximierungszielen basiert. Ich suche Vergnügen "hier und jetzt" ist ein gemeinsames Merkmal eines „süchtigen Gehirns“. Unsere Entscheidungsfindung verschiebt sich weg von Zielen wie langfristiger  Wohlstand und allgemeine Wohlbefinden-Maximierung, die von anderen Systemen im Gehirn kontrolliert werden.

Im gesunden Gehirn interagieren zwei Basissysteme in Bezug auf Belohnung und Entscheidungsfindung. Das "A-System" beschäftigt sich mit der Maximierung der sofortigen Belohnung, während das "I-System" mit der Maximierung der zukünftigen Belohnung und des Wohlstands beschäftigt ist. Das A-System will sofort Vergnügen, während das I-System irgendwelche Reize auf die bisherige Erfahrung und den Wert bezieht, um optimale Entscheidungen zu fördern, nach dem Motto "alle Sachen einbezogen". Dies kann eine Herabregulierung des A-Systems beinhalten, also eine sofortige Befriedigung zu verschieben, um eine langfristige Belohnung zu ermöglichen.

Es wurde vorgeschlagen, dass die Künste helfen können, die schädlichen Auswirkungen von dysfunktionalen Trieben und Verlangen zu überschreiben, die wir erleben, wenn wir uns zu lange mit leeren "Vergnügung-pur-Aktivitäten“ beschäftigen. Die Künste fokussieren unseren Geist in einen kohärenten Zustand, der die A- und I-Systeme gleichermaßen aktiviert.

Auf diese Weise könnten die Künste die Verbindungen zwischen den A- und den I-Systemen verstärken, die über eine neuronale Struktur, „Insula“ genannt, gehen. Starke Links unterstützen durch die Maximierung von Entscheidungen die Erhaltung von gesunden Körpersystemen, so dass sie langfristigen Wohlstand gewährleisten. Das beweist, dass das Beschäftigen mit den Künsten die Wahrscheinlichkeit von vorneherein verringern könnte Verhaltensabhängigkeiten zu entwickeln. Wichtig ist zudem, dass die Beschäftigung mit den Künsten nachweislich das Potenzial hat, sowohl die A- als auch die I-Systeme in Laien und Experten gleichermaßen zu engagieren.

Infolgedessen erleben wir Aktivitäten wie Malerei oder Tanz nicht nur als angenehm und lohnend (über das A-System) sondern auch als sinnvoll, weil sie unsere bisherigen persönlichen Erinnerungen und Lebenserfahrung und unser Selbstempfinden (I-System) ansprechen. Das "Kunst-Erlebnis" bedeutet also nicht nur Spaß, sondern ist auch allgemein gut für unser Leben.

Dr. Christensen sagte:

"Obwohl noch mehr Forschung betrieben werden muss, haben wir gesehen, da ist vielversprechende Arbeit, die die Vorteile der Künste zeigt, wenn es darum geht, dem derzeit in der Gesellschaft allgegenwärtigen Vergnügungsverhalten zu begegnen, welches viele negative Auswirkungen auf unser Leben haben kann. Die beste Empfehlung ist, Zeiträume ohne die Aktivitäten zu planen, die das Potenzial haben Verhaltensabhängigkeiten zu verursachen. Unser Gehirn wird uns nicht helfen, der Versuchung des Augenblicks zu widerstehen, daher ist es besser, im Voraus zu planen. Also wenn wir mehr die Künste einbeziehen, können wir potenziell den negativen Effekten entgegenwirken und unsere Gehirne breiter nutzen, um wirklich ein erfülltes und sinnvolles Leben zu führen."

Über die City, University of London

Die City, University of London ist eine internationale Hochschule, die für akademische Exzellenz steht und sich durch ihren Fokus auf Betriebswirtschaft und die freien Berufe sowie eine beneidenswerte Lage im Zentrum von London auszeichnet.

Sie ist führend unter den Londoner Hochschulen, was die Studentenzufriedenheit betrifft (The Complete University Guide), rangiert auf dem 18. Gesamtplatz im Vereinigten Königreich (Guardian University Guide) sowie unter den Top-5-Prozent der Universitäten weltweit (Times Higher Education World Rankings).

Die City hat rund 19 500 Studenten (davon 46 Prozent Postgraduierte) aus über 150 und Personal aus über 75 Ländern. Mehr als 130 000 ehemalige Studenten aus über 180 Ländern sind Mitglied im Alumni-Netzwerk der City. Das akademische Angebot ist breit gefächert mit weltweit führenden Dozenten in den Bereichen Betriebswirtschaft, Jura, Gesundheitswissenschaften, Mathematik, Computerwissenschaften, Maschinenbau, Sozialwissenschaften und Geisteswissenschaften einschließlich Journalismus und Musik.

Die Geschichte der Universität geht auf das Jahr 1894 zurück, als an der Stelle des aktuellen Hauptcampus der City das Northampton Institute gegründet wurde. 1966 erhielt die City durch königliche Satzung Universitätsstatus, der Bürgermeister von London wurde ihr Kanzler. Im September 2016 schloss sich die City dem Verbund der University of London an. Damit wurde Ihre Königliche Hoheit die Kronprinzessin Kanzlerin der City. Professor Sir Paul Curran fungiert seit 2010 als Vizekanzler und Präsident der Hochschule.

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